Akustik & Materialperformance
Akustisches Verhalten, Materialeigenschaften und reale Performance-Grenzen in professionellen Innenräumen.
Inhaltsverzeichnis
#Akustische Performance ist kein Material-Claim
Akustischer Komfort wird selten durch die Auswahl eines „akustischen Materials“ gelöst. Er entsteht durch die Spezifikation des richtigen Systemaufbaus, am richtigen Ort, für das richtige Frequenzproblem.
Ein Material kann auf dem Papier überzeugen und dennoch in realen Innenräumen unterperformen, sobald Grundriss, Raumhöhe, Glasflächen, HVAC-Geräusche und Möblierung hinzukommen. Diese Lücke zwischen Laborwerten und Nutzungserlebnis ist der Grund für die meisten akustischen Enttäuschungen.
#Absorption vs. Schalldämmung
Einer der häufigsten Spezifikationsfehler ist die Verwechslung von Absorption und Dämmung.
Absorption
Absorption reduziert die Nachhallzeit im Raum und verbessert Klarheit, Komfort und Sprachverständlichkeit. Darauf zielen die meisten akustischen Lösungen für Innenräume ab.
Schalldämmung
Schalldämmung reduziert die Schallübertragung zwischen Räumen. Sie hängt von Masse, Luftdichtheit und konstruktiven Details ab. Weiche Oberflächenmaterialien lösen Dämmprobleme selten allein.
#Was NRC und Ratings zeigen und was nicht
NRC und Absorptions-Ratings sind hilfreich, aber keine Komfortgarantie. Sie beschreiben weder Raumgeometrie noch Platzierung, Richtwirkung oder den Tieffrequenzaufbau, der viele Open-Space-Umgebungen dominiert.
Wie man Ratings praktisch liest
- Nutze Ratings zum Vergleichen, nicht um das Enderlebnis vorherzusagen.
- Frage nach der Testkonfiguration: Dicke, Rückseite/Backing, Luftspalt, Montageart.
- Kläre das Ziel: Echo, Sprachprivatsphäre, allgemeines Geräuschniveau oder Schallübertragung.
#Das Frequenzproblem
Viele Innenräume scheitern akustisch, weil die Lösung das falsche Frequenzband adressiert. Mittel- und Hochfrequenzen lassen sich leichter absorbieren. Tieffrequenzen sind schwieriger und häufig störender in offenen Arbeitswelten.
Daher balanciert eine gute Strategie Flächenabsorption, räumliche Zonierung und praktische Rahmenbedingungen wie Deckeninstallationen und architektonische Intention.
#Einfluss des Systemaufbaus
Akustisches Verhalten ändert sich deutlich je nach Aufbau- und Montagedetails. Zwei Produkte mit ähnlicher Oberfläche können nach der Montage sehr unterschiedlich wirken.
Was typischerweise die Performance verändert
- Dicke und Dichte
- Rückseitenmaterial und Steifigkeit
- Luftspalt hinter Panels
- Randbedingungen und Fugen
- Montagemethode und Kontaktpunkte
#Reale Rahmenbedingungen im Büro
In Arbeitswelten entsteht akustisches Unbehagen selten durch nur eine Quelle. Meist ist es eine Kombination aus Sprache, Kollaborationszonen, harten Oberflächen, Glas und HVAC-Hintergrundgeräuschen.
Typische Rahmenbedingungen, die das Machbare bestimmen
- Open-Space-Grundrisse und wechselnde Teams
- Deckeninstallationen und Licht, die Overhead-Absorption begrenzen
- Verglasungen und harte Oberflächen, die Reflexionen erhöhen
- Markengetriebene Designanforderungen, die Flächenabdeckung reduzieren
- Wartungs- und Pflegeanforderungen in genutzten Umgebungen
#Biophile Materialien und konserviertes Moos
Konservierte biophile Materialien können akustische Strategien unterstützen, wenn sie als Teil eines vollständigen Systemaufbaus spezifiziert werden. Sie tragen zur Absorption und zu einer ruhigeren visuellen Atmosphäre bei, ersetzen aber kein Systemdenken zu Platzierung, Rückseite und Ziel-Frequenzen.
In der Praxis entstehen die besten Ergebnisse, wenn biophile Systeme dort eingesetzt werden, wo Menschen sich aufhalten, und mit einem Akustikplan kombiniert werden, der den gesamten Raum adressiert.
#Kork und natürliche Materialien
Kork wird häufig wegen natürlicher Materialstrategien und seiner taktilen Qualität gewählt. Die akustische Performance hängt von Dicke, Dichte, Installationsmethode und davon ab, ob der Aufbau tatsächlich das störende Frequenzband adressiert.
Anders gesagt: „Kork“ ist keine Performance-Garantie. Der Systemaufbau ist die Performance.
#Gemessene Ergebnisse
In komplexen Projekten reicht es selten aus, sich nur auf Produktdatenblätter zu stützen. Deshalb kann Greenmood mit Akustikspezialist:innen zusammenarbeiten, um Ausgangsbedingungen zu erfassen und Ergebnisse vor und nach der Installation zu validieren.
Was das ermöglicht
- Evidenzbasierte Entscheidungen, wenn akustischer Komfort kritisch ist
- Klare Dokumentation für Projektteams und Stakeholder
- Realistische Erwartungen im Einklang mit Baustellenbedingungen
#Dokumentierte akustische Performance (Laborwerte)
Um über Materialnarrative hinauszugehen, muss akustische Performance durch Messdaten belegt sein.
Die nachstehenden Werte basieren auf Labormessungen in Nachhallräumen gemäß anerkannten internationalen Standards (ISO 354 / ISO 11654 und ASTM C423).
Diese Ergebnisse dienen als vergleichbare Referenz, um zu verstehen, wie unterschiedliche biophile und akustische Materialien unter kontrollierten Bedingungen reagieren – mit standardisierten Montagekonfigurationen.
Sie unterstützen frühe Designentscheidungen, Spezifikationsgespräche und Dokumentationsprozesse, ersetzen jedoch keine projektspezifischen akustischen Untersuchungen.
Messdaten unterstützen Entscheidungen. Aufbau und Positionierung bestimmen das Ergebnis.
Die Kennwerte (αw, NRC, SAA und Absorptionsklasse) beschreiben, wie effizient ein Material Schallenergie unter standardisierten Prüfbedingungen absorbiert.
Sie sind hilfreich für
- den konsistenten Vergleich von Materialien
- die Einordnung geeigneter Absorptionsbereiche für mittlere und hohe Frequenzen
- die Unterstützung akustischer Zielsetzungen in Spezifikationsunterlagen
Diese Werte sollten jedoch nicht als Garantie für die Performance im eingebauten Zustand verstanden werden.
Laborwerte stellen idealisierte Bedingungen dar. In realen Projekten wird akustische Performance von mehreren Faktoren beeinflusst, unter anderem:
- Montagekonfiguration und Rückseite/Backing
- Vorhandensein oder Fehlen von Luftspalten
- Oberflächenkontinuität und Anschlüsse
- Raumvolumen, Geometrie und Oberflächen
- Verteilung absorbierender Flächen im Raum
Dadurch können identische Materialien nach der Installation sehr unterschiedlich wirken.
Deshalb sollten akustische Ergebnisse auf System- und Aufbau-Ebene betrachtet werden, nicht als isolierte Materialeigenschaft.
In professionellen Innenräumen sind die verlässlichsten Ergebnisse eine Kombination aus dokumentierten Materialdaten und
- klaren Aufbau-Definitionen
- passender Positionierung im Raum
- Validierung durch Berechnung oder Messung, wo erforderlich
Bei Greenmood werden akustische Daten als Entscheidungshilfe genutzt, nicht als Marketing-Claim. Je nach Projektkomplexität arbeiten wir mit Akustikspezialist:innen zusammen, um erforderliche Absorptionsflächen abzuschätzen, Strategien über RT60-Berechnungen zu validieren und ausgewählte Projekte vor und nach der Installation zu bewerten. So werden Materialentscheidungen mit realistischen Performance-Erwartungen in genutzten Umgebungen abgeglichen.
#Was Projektteams anfordern sollten
Wenn ein Anbieter nicht erklären kann, was getestet wurde, wie es montiert wurde und was das System beinhaltet, ist die Spezifikation per Default fragil.
#Greenmoods Ansatz
Greenmood betrachtet akustische und biophile Lösungen als Systeme für professionelle Innenräume. Priorität ist es, Unklarheiten in der Spezifikation zu reduzieren und stabile, vorhersehbare Ergebnisse in genutzten Umgebungen zu unterstützen.
Unser Fokus
- Klar definierte Aufbauten und Unterstützung bei der Spezifikation
- Dokumentierte Performance, wo sinnvoll
- Dauerhaftigkeit und Servicefähigkeit in realen Projekten
- Optionale Zusammenarbeit mit Akustikspezialist:innen bei komplexen Umfängen
Leitfaden: Spezifikation & Performance
Um Projektteams beim Schritt von Designintention zur Umsetzung in der Praxis zu unterstützen, haben wir ein spezielles Referenzdokument zur Spezifikation und Performance biophiler akustischer Systemaufbauten in professionellen Innenräumen erstellt.
Der Leitfaden bündelt Systemlogik, akustische Verhaltensaspekte, Dokumentationsanforderungen sowie Validierungsprinzipien, die während Spezifikation und Projekt-Reviews häufig benötigt werden.
Leitfaden Spezifikation & Performance herunterladen#Ressourcen
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, helfen diese Ressourcen dabei, den Unterschied zwischen Materialnarrativen und realer akustischer Performance zu verstehen.
Branchenreferenzen
- Amorim: Materials vs performance
- Ekko: Acoustic materials and the language of quiet design
- Impact Acoustic: Acoustic performance overview
- EMPA: Acoustic performance of engineered materials
- MDPI: Acoustic materials research overview
Kernaussage
Akustischer Komfort ist ein Systemergebnis. Spezifiziere Aufbauten, adressiere die richtigen Frequenzen und validiere gegen reale Rahmenbedingungen. So bleiben ruhige Innenräume auch nach der Übergabe ruhig.
Gemessene Performance hängt immer von Raumvolumen, Flächenverhältnissen und Schallfeldbedingungen ab.













