Brandschutz und Verantwortung
LEITFADEN FÜR PROJEKTTEAMS

Brandschutz und Verantwortung

Was Projektteams verstehen müssen, bevor konservierte grüne Wände in professionellen Innenräumen ausgeschrieben werden.

8 Min. Lesezeit Veröffentlicht: 14. Jan. 2026 Themen: Brandschutz, Spezifikation, Biophiles Design
Konservierte grüne Wände Brandklassifizierung Konformität A&D
Ziel: Dieser Artikel unterstützt Architekt:innen, Designer:innen, Berater:innen und Auftraggeber:innen mit klaren Überlegungen zur Spezifikation. Er konzentriert sich auf Systemverantwortung, nicht auf allgemeine Behauptungen.
Inhaltsverzeichnis

#Biophiles Design ist erwachsen geworden

Grüne Wände werden nicht mehr als experimentelle Features oder reine Dekorationsstatements wahrgenommen. Sie werden heute breit in Corporate Interiors, Hotellerie, Gesundheitswesen und öffentlichen Gebäuden spezifiziert.

Allerdings haben jüngste Vorfälle und regulatorische Aktualisierungen in Europa, dem Vereinigten Königreich und anderen Regionen eine kritische Lücke zwischen biophiler Intention und technischer Verantwortung offengelegt.

Brandschutz ist bei grünen Wänden kein Randthema. Er ist ein zentrales Spezifikationsthema und muss früh, transparent und produktbezogen adressiert werden.

Konservierte grüne Wandsysteme müssen als Systeme spezifiziert werden, nicht als dekorative Oberflächen.

#Das Problem sind nicht grüne Wände

Es sind unklare Klassifizierung und schlechte Spezifikation

Die zunehmende Aufmerksamkeit rund um grüne Wände stammt nicht aus dem biophilen Design selbst. Sie entsteht durch vage Materialbeschreibungen, irreführende „feuerbeständig“-Behauptungen, Verwechslungen zwischen lebenden Systemen, konservierten Systemen und dekorativen Paneelen sowie durch fehlende Systemtests.

In vielen dokumentierten Fällen wurde das Brandrisiko nicht allein durch Vegetation verursacht, sondern dadurch, wie Systeme aufgebaut, dokumentiert und spezifiziert wurden.

Grüne Wände als dekorative Add-ons statt als architektonische Systeme zu behandeln ist die Ursache der meisten Konformitätsfehler.

#Lebende Wände vs. konservierte Systeme

Ein grundlegender Unterschied, der nicht ignoriert werden kann

Einer der häufigsten Spezifikationsfehler ist, nicht zwischen lebenden grünen Wänden und konservierten grünen Wandsystemen zu unterscheiden.

Lebende Systeme beinhalten typischerweise

  • Bewässerung
  • Organisches Wachstum
  • Substrate und Tragschichten, die sich im Laufe der Zeit verändern
  • Laufende Wartung und Feuchtigkeit

Diese Variablen führen zu unvorhersehbarem Brandverhalten und erfordern häufig projektspezifische brandschutztechnische Strategien.

Konservierte Systeme bieten bei korrekter Auslegung

  • Stabile Materialzusammensetzung
  • Keine Bewässerung und kein biologisches Wachstum
  • Vorhersehbares Langzeitverhalten
  • Die Möglichkeit, Komponenten und Aufbauten präzise zu prüfen

Allerdings reicht konservierte Vegetation allein nicht aus. Die Brandperformance hängt vom gesamten System ab, nicht von der sichtbaren Schicht.

#Brandschutz ist eine Systemfrage

Keine Materialbehauptung

Ein wiederkehrendes Problem, das in aktuellen Leitfäden und Branchenuntersuchungen hervorgehoben wird, ist der Missbrauch von Teilzertifikaten. Ein isoliert getestetes Moos-Muster repräsentiert kein grünes Wandsystem unter realen Bedingungen.

Die Brandperformance muss berücksichtigen

  • Vegetationstyp und Dichte
  • Trägermaterialien
  • Klebstoffe und Montagesysteme
  • Rahmen, Substrate und Schnittstellen zur Wand
  • Installationskonfiguration

Verantwortungsvolle Hersteller testen und dokumentieren komplette Aufbauten, nicht nur dekorative Elemente. Jede Aussage, die bei „das Moos ist brandklassifiziert“ endet, ist unvollständig und potenziell irreführend.

#Brandklassen verstehen

Warum Klarheit für Ausschreibende entscheidend ist

Brandklassifizierungen unterscheiden sich je nach Region, das Grundprinzip ist jedoch konsistent: Materialien und Systeme müssen eine kontrollierte Reaktion auf Feuer zeigen, nicht nur eine Widerstandsfähigkeit gegen Entzündung.

Für konservierte grüne Wandsysteme bedeutet das: transparente Angabe der Brandklasse, klare Erklärung dessen, was geprüft wurde, und ehrliche Kommunikation von Einschränkungen.

Fehlinterpretationen von Brandklassen, insbesondere zwischen Systemen der Klasse B und Klasse C, waren in den letzten Jahren eine Quelle von Verwirrung.

Was genau wurde geprüft?
In welcher Konfiguration?
Nach welchem Standard?
Entspricht das dem eingebauten Zustand?

#Verantwortung geht über Konformität hinaus

Die Erfüllung minimaler Anforderungen an die Brandklassifizierung ist notwendig, aber nicht ausreichend.

In professionellen Innenräumen umfasst Verantwortung außerdem

  • Risikoprävention
  • Vorhersehbarkeit der Langzeitperformance
  • Klare Dokumentation für Fachplaner:innen und Behörden
  • Vermeidung unnötiger Komplexität in Genehmigungsprozessen

Das ist besonders kritisch in

  • Unternehmenszentralen
  • Öffentlichen Gebäuden
  • Hotel- und Gesundheitsumgebungen
Brandschutz ist nicht nur eine regulatorische Frage. Er ist eine Sorgfaltspflicht.

#Greenmoods Position

Biophile Wandsysteme mit Verantwortlichkeit gestalten

Bei Greenmood werden konservierte grüne Wände als architektonische Systeme entworfen und dokumentiert, nicht als dekorative Oberflächen.

Dieser Ansatz basiert auf mehreren nicht verhandelbaren Prinzipien

  • Konservierte Vegetation, ausgewählt nach Stabilität und Konsistenz
  • Brandschutzprüfung und Dokumentation auf Systemebene
  • Keine Bewässerung, keine biologische Entwicklung, keine versteckten Variablen
  • Klare Differenzierung zwischen Produkttypen und Anwendungsfällen
  • Frühe Integration in die Projektspezifikation

Ziel ist nicht, die visuelle Wirkung um jeden Preis zu maximieren, sondern sicherzustellen, dass biophile Lösungen verantwortungsvoll, vorhersehbar und sicher in anspruchsvolle Umgebungen integriert werden können.

#Was Projektteams anders machen sollten

Um unnötige Risiken zu vermeiden, sollten Projektteams:

Frühzeitig Spezialist:innen für grüne Wände einbinden.
Vollständige Systemdokumentation anfordern, nicht isolierte Testergebnisse.
Den Unterschied zwischen lebenden und konservierten Systemen verstehen.
Generische oder mehrdeutige Brandschutzbehauptungen vermeiden.
Grüne Wände als Teil der Gebäudehülle betrachten, nicht als Dekor.

Brandschutz kann bei biophilen Projekten nicht später „hinzugefügt“ werden. Er muss von Anfang an mitgeplant werden.

#Eine reifere Zukunft für biophiles Design

Die wachsende Aufmerksamkeit für den Brandschutz grüner Wände ist kein Rückschlag für biophiles Design. Sie ist ein Zeichen von Reife.

Während sich die Branche weiterentwickelt, haben verantwortungsvolle Hersteller, Berater:innen und Designer:innen die Chance, Standards zu erhöhen, Erwartungen zu klären und Vertrauen zu stärken.

Biophiles Design wird weiter wachsen. Doch nur Lösungen, die ästhetische Intention, technische Strenge und Verantwortlichkeit verbinden, werden die Zeit überdauern.

Final takeaway

Konservierte grüne Wandsysteme können sicher, konform und zuverlässig sein. Aber nur, wenn sie als Systeme spezifiziert werden, nicht als Oberflächen. Diese Unterscheidung ist der Punkt, an dem verantwortungsvolles biophiles Design beginnt.

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